Walter Trier, Der lustige Dampfer – Buchcover
Die
Illustrationen zu „Der lustige Dampfer“ entstanden in den 1940er Jahren, also
während Triers Exil in England. Ganz genau lassen sich die Bilder nicht mehr
datieren. Sicher ist jedoch, dass Trier die Geschichten völlig selbständig
entwickelt hatte – also ohne Zutun eines Autors oder fremden Auftraggebers. Ein
ebenso unorthodoxes wie wagemutiges Vorgehen für einen Zeichner – und deshalb
geradezu typisch für den selbstbewussten und eigensinnigen Künstler namens Trier,
der sich nie als einem Autor nachgeordneter Illustrator empfand. Auch nicht
während enorm schwieriger Zeiten als ein aus Deutschland vertriebener Emigrant.
Walter Trier, Jolly Picnic - Buchcover

Wie
schon viele Jahre zuvor zeichnete Walter Trier in London die komplette
Bebilderung für drei Kinderbücher – mit Vorsatzpapier, Vignetten und Titelei:
„Jolly Picnic“, „Jolly Families“ und „The Jolly Steamer“. Diese
„Jolly“-Bilderbuchreihe sollte den englischen Kindern die Tiere der Heimat, der
Fremde und des Meeres anschaulich vor Augen führen.
Gemeinsam
mit dem Verlegerfreund Kurt Maschler (erst „Williams Verlag“, dann „Atrium
Verlag“ und „Atrium Press“) fanden sich recht rasch zwei englische Autoren für
die ersten beiden Bücher der Jolly-Reihe. Einzig für den letzten Band mühte man
sich vergeblich. Am Ende des Zweiten Weltkrieges stand den Menschen nicht
gerade der Sinn nach romantischen Bildern, die die Kinder in eine heil(sam)e
und friedfertige Tierwelt – Triers Gegenentwurf zur kriegerischen Realität -
entführen sollten.
Walter Trier, Jolly Families – Buchcover
Als
Erich Kästner 1947 – nach fast zehn Jahren kriegsbedingter Zwangspause - wieder
Kontakt zu „seinem“ Zeichner aufgenommen hatte und die Zusammenarbeit mittels
der „Konferenz der Tiere“ und dem „doppelten Lottchen“ wieder florierte,
scheint der Buchkünstler einen erneuten Versuch gewagt zu haben, seinen ollen
„Steamer“ doch noch zu veröffentlichen – vielleicht sogar mit Hilfe des
Dichterfreundes. Triers überraschender Tod im Sommer 1951 und Kästners
anschließend verzweifelte Suche nach einem adäquaten Nachfolger scheinen diesem
Projekt dann allerdings das (beinahe) endgültige Aus bereitet zu haben. Die
nach München geschickten Bilder wurden vergessen und gelangten schließlich nach
dem Tode Kästners in den Nachlass dessen langjähriger Lebensgefährtin
Luiselotte Enderle. Wo sie für viele Jahre in einen Dornröschenschlaf fielen.
.
Da
die seit 1998 betriebene Aufarbeitung des Gesamtwerks von Walter Trier
zwangsläufig auch zu den Nachlässen von Erich Kästner und Luiselotte Enderle
führte, kam dieser hinreißende Bilderzyklus nach über einem halben Jahrhundert
aber dann doch wieder ans Tageslicht. Und eine bessere Wahl als Autor hätte
auch Trier nicht finden können. So titelte die F.A.Z. vom 29. August 2009 ganz
zutreffend: „Glückliches Paar: Harry Rowohlt verdichtet Triers Bilder“.

Buchbesprechung von H.
Rowohlt / W. Trier: Der lustige Dampfer. in: Feuilleton der "Frankfurter
Allgemeinen Zeitung" vom Samstag, den 29. August 2009.
Wenn
man dann noch bedenkt, dass dies alles unter dem Dach von Walter Triers
„Hausverlag“ realisiert wurde, der einstmals von Kurt Maschler geleitet worden
war und der noch viel früher für die Verbreitung von „Winnie-dem-Pu“ im
deutschsprachigen Raum von Edith Jacobsohn überhaupt gegründet worden war – für
dessen Siegeszug in Deutschland wiederum die geniale Neuübersetzung von Harry,
dem Rowohlt verantwortlich zeichnet – dann beginnt man an glückliche Fügungen
zu glauben oder freut sich einfach nur an der Vollendung eines vor über 50
Jahren begonnenen perfekten Projektes ... und wartet sehnsüchtig auf die
deutschen Erstausgaben der beiden anderen „Jolly“-Bücher.