Walter Trier: Emil und die Detektive, 1929
Walter Trier: Emil und die Detektive, 1929
Walter Trier 1890 - 1951
Walter Trier1890 - 1951

Leben

Walter Trier wird am 25. Juni 1890 in Prag (Tschechien, damals Österreich-Ungarn) geboren.
Nach einem nur kurzen Besuch der Prager Kunstgewerbeschule wird er ab 1908 an der Münchner Akademie bei Franz von Stuck ausgebildet. 1909 erscheinen erste Zeichnungen von ihm in der satirischen Zeitschrift "Simplicissimus" und in der "Jugend". Dort publiziert er neben renommierten Zeichnern wie Thomas Theodor Heine, Olaf Gulbransson, George Grosz, Käthe Kollwitz und Max Slevogt. Die Arbeit für diese beiden führenden Münchner Kunstblätter wird für Walter Trier zum Sprungbrett für seine Karriere als Illustrator.

Der Berliner Verleger Otto Eysler unterbreitet ihm 1910 das Angebot, als Pressezeichner für die "Lustigen Blätter" zu arbeiten. In den folgenden Jahren wird Trier zu dem meist beschäftigten Zeichner in Berlin; für die "Lustigen Blätter" beispielsweise kommt man in zehn Jahren auf über tausend größtenteils ganzseitige Farbabbildungen. Für die Ullstein-Magazine "Uhu" und "Die Dame" zeichnet er zwei Jahrzehnte lang Titelseiten und Illustrationen.
In den "Lustigen Blättern" richtet sich sein Spott auf den Alltag in der Großstadt, die feine Gesellschaft und das politische Tagesgeschehen. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges steigt bei der Presse der Bedarf an politischer Propaganda. So zeichnet Trier, wie die meisten Künstler, national-patriotische Arbeiten. Die zahlreichen Zeichnungen mit ihrer Verharmlosung des Krieges verändern Trier; er zieht sich in ein privates Paradies zurück, das er mit Tieren, Kindern, Spielzeug und Artisten belebt.

Seine viel publizierten Bilder und Zeichnungen verschaffen ihm in den zwanziger Jahren eine enorme Popularität. 1929 vermittelt die Kinderbuchverlegerin Edith Jacobsohn (Verlag Williams & Co. Berlin-Grunewald) den jungen Journalisten Erich Kästner an den erfahrenen Illustrator Walter Trier, als es darum geht, dessen erstes Kinderbuch "Emil und die Detektive" zu bebildern. Diese Zusammenarbeit hat ein Vierteljahrhundert angedauert und eine Reihe schöner Kinderbücher hervorgebracht.

Der 30. Januar 1933 stellt für die Familie Trier einen tiefen Einschnitt dar. Wegen ihrer jüdischen Abstammung (aber auch wegen Triers politischen Satire) muß sie Deutschland verlassen und sucht im Dezember 1936 in England Zuflucht. Dort zeichnet Walter Trier unter anderem ab Juli 1937 das Titelbild für das Monatsmagazin "Lilliput", in 12 Jahren kommen so nahezu 150 Titel zusammen. Später illustriert er politische Flugblätter, die von Flugzeugen über den von den Deutschen besetzten Gebieten abgeworfen werden.

Im Februar 1947 werden Walter und Helene Trier schließlich britische Staatsbürger und folgen der Tochter nach Ontario (Kanada). Bevor Walter Trier zum dritten Male seine Karriere ausbauen kann, stirbt er am 8. Juli 1951 in seinem Atelier in Collingwood.

 

Biographie

1890 In Prag wird am 25. Juni Walter Trier als jüngstes Kind des Handschuhfabrikanten Heinrich Trier geboren. Er wächst mit vier Brüdern und einer großen Schwester in der Prager Altstadt auf und geht dort auf die Nikolander-Realschule.

1905 beginnt Trier eine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule in Prag und wechselt bald an die dortige Kunstakademie.

1907 zieht er nach München und besucht zunächst die Privatmalschule von Heinrich Knirr.

1908 Immatrikulation an der Münchner "Akademie der Bildenden Künste" in der Klasse des Franz von Stuck.

1909 Unmittelbar nach Abschluß des Studiums erscheinen erste Zeichnungen von dem jungen Walter Trier in dem renommierten Satireblatt "Simplicissimus", kurz darauf auch in der Kunstzeitschrift "Jugend".

1910 Walter Trier nimmt ein Angebot des Berliner Verlegers Otto Eysler an. Er zieht in die Reichshauptstadt und beginnt dort als Pressezeichner für die "Lustigen Blätter". Bald darauf gestaltet er seinen ersten Bucheinband.

1911  Von nun an nimmt Trier (bis 1932) regelmäßig an der jährlichen "Grossen Berliner Kunstausstellung" teil und er ist Mitglied im "Verband deutscher Illustratoren".

1912 Walter Trier lernt am 1. April Helene Mathews kennen, die er ein Jahr später heiratet. Erste Reklameplakate sind nachweisbar.

1913 Das "Extrablatt der Berliner Karikaturisten" erscheint, dazu weitere Arbeiten für Bücher und Presse, etwa für den "Ulk" und die Festschrift "Zwanzig Jahre Café des Westens".

1914 Geburt der Tochter Margarete. Ab Januar regelmäßig Arbeit für "Die Dame". Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges leistet Walter Trier seinen Kriegsdienst als Zeichner humoristischer Propaganda, sowie von Kriegsbilderbogen und Feldpostkarten.

1917 Im Frühjahr nimmt Trier erstmals an einer Ausstellung der "Berliner Secession" teil. Zugleich liegen Zeichnungen für sein erstes Kinderbuch vor: Mitten im Krieg zeichnet er ein friedliches "A-B-C".

1919 Zur Eröffnung des Kabaretts Schall und Rauch wird Walter Triers politischer Karikaturenfilm "Ein Tag des Reichspräsidenten" gezeigt.

1921 Im Dezember erscheint ein ausführlicher Artikel über "Eine Spielzeugsammlung. Im Besitz des Malers Walter Trier".

1923 In den "Lustigen Blättern" nehmen Zeichnungen von Trier zu, die die Gefahr, die von der politischen Rechten droht, thematisieren. Die Familie verbringt den ersten ihrer Winterurlaube in der Schweiz.

1924 Aufsehenerregende Kampagne für den Ullstein-Konzern zur Markteinführung des "Uhu", die nur wenige Jahre später von Joseph Goebbels für dessen "Angriff " kopiert wurde.

1925 Am 1. April wird Walter Trier zum neuen Mitglied der "Berliner Secession" gewählt. Er beginnt die Zusammenarbeit mit dem "Kabarett der Komiker".

1927 Studienreise mit zwei Künstlerkollegen nach Frankreich, Spanien und Nordafrika. Beginn der Freundschaft zu den drei Clown-Brüdern Alberto, Paolo und François Fratellini.

1929 Walter Trier wird zum Zweiten Vorsitzenden des "Verbandes der Pressezeichner" gewählt. Die Verlegerin Edith Jacobsohn stellt dem jungen Erich Kästner Walter Trier vor, als es um die Illustrationen für dessen erstes Kinderbuch geht: "Emil und die Detektive". In der "Modernen Galerie Wertheim" wird die Ausstellung "Berliner Humor: Trier / Simmel / Zille" gezeigt, die später auch in Breslau gastiert.

1933  Am 20. Februar nimmt Walter Trier letztmalig an einer Sitzung der "Berliner Secession" teil. Mitte März 1933 findet sich sein Name auf der ersten offiziellen schwarzen Liste für bildende Künste. Vermutlich aufgrund seines tschechischen Passes gelingt es ihm, trotz der zahlreicher werdenden Berufsverbote, noch immer Illustrationen in Presse und Literatur unterzubringen. Im Dezember erscheint "Das fliegende Klassenzimmer" von Erich Kästner. Es ist ihr letztes gemeinsam in Deutschland produzierte und verlegte Buch. Unmittelbar vor Drucklegung sind - zum Entsetzen von Autor und Zeichner - sämtliche Signaturen Triers entfernt worden.

1934 Nachweislich seit dem Spätherbst intensiviert Walter Trier die beruflichen Kontakte in seine Heimatstadt Prag, unter anderem mittel Teilnahme an der "I. Internationalen Karikaturisten-Ausstellung".

1935 Es erscheinen seine letzten Arbeiten in Hitler-Deutschland. In der "Jugendschriftenwarte" wird darauf hingewiesen, "daß grundsätzlich alle von Trier bebilderten Bücher abgelehnt werden, auch wenn sie inhaltlich einwandfrei sind". Im Foyer des "Kabarett der Komiker" werden seine Wandmalereien entfernt und durch die Arbeiten eines "arischen" Kollegen ersetzt. Die Familie trifft letzte Vorbereitungen für die Flucht.

1936 Das Haus der Familie in Berlin-Lichterfelde wird aufgegeben. Die Familie flieht Ende des Jahres nach England.

1937 Ab Juli erscheint monatlich ein von Trier gestaltetes Cover für "Lilliput. The Pocket Magazine for Everyone" in London. Im Sommer gibt es während der Salzburger Festspiele ein Arbeitstreffen mit Erich Kästner.

1938 Letztes persönliches Treffen mit Erich Kästner in London. Im Sommer Teilnahme an der international beachteten Kunstschau "Twentieth Century German Art" in den "New Burlington Galleries" in London gemeinsam mit allen anderen seit 1937 in Deutschland als "entartet" verfemten Künstlern. Im November Teilnahme an der vom "Freien Künstlerbund" in Paris organisierten Ausstellung "Freie Deutsche Kunst" in der "Maison de la Culture".

1939 Walter Trier schlägt ein Angebot von Walt Disney aus.

1940  Das "British Ministry of Information" beauftragt Walter Trier mit Zeichnungen für Flugblätter gegen Nazi-Deutschland.

1941  Ab September regelmäßig antinazistische Karikaturen für "Die Zeitung", das Blatt der deutschsprachigen Emigranten, die vereinzelt auch in Amerika in "Life" und "The New York Times" erscheinen.

1945  Walter Trier gestaltet anläßlich des Kriegsendes eine prächtige Farbdoppelseite "Judgement Day" im Londoner "Illustrated". Kurz darauf erhält er den Auftrag plastische Karikaturen verschiedener Delegierter der "United Nations Organization" anzufertigen. Walter Trier gestaltet sie als zerbrechliche und vergängliche Eierschalen-Skulpturen.

1946  Das erste von drei textlosen Verwandlungsbüchern erscheint in London unter dem Titel "Crazy Books".

1947 Walter und Helene Trier erhalten die britische Staatsbürgerschaft und emigrieren am 9. August nach Kanada.

1947-1951 Walter Trier zeichnet Werbegrafiken für den Lebensmittelkonzern "Canada Packers".

1949 Das Ehepaar baut ein Haus in Craigleith bei Collingwood in Ontario. Teilnahme an der "77th Annual Spring Exhibition der Ontario Society of Artist und der Art Gallery of Ontario", Toronto.

1951 Im April erste Ausstellung von Ölbildern und Aquarellen im Hart House der University of Toronto. Illustrationen für das kanadische Magazin "New Liberty". Am 8. Juli stirbt Walter Trier völlig überraschend an einem Herzschlag.

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