Walter Trier: Emil und die Detektive, 1929
Walter Trier: Emil und die Detektive, 1929
Walter Trier 1890 - 1951
Walter Trier1890 - 1951

Anläßlich des 125. Geburtstages von Walter Trier am 25. Juni 2015 wurde das von ihm vor fast hundert Jahren erstmals ausgeführte Werbekonzept auf facebook neu aufgelegt und "nur leicht" verändert ...

 

 

Anläßlich des Todes von Harry Rowohlt am 15. Juni 2015 wurde hier das tröstliche Schlußbild aus dem von ihm bedichteten Bilderbuch "Der lustige Dampfer" ausgewählt.

 

 

 

Lieber Harry R.,

ich möchte für die damals unglaublich schnelle Zusage danken, für die völlig unkomplizierte Zusammenarbeit, für zahlreiche Briefe und einige (nun: viel zu wenige!!!) unvergessliche Telefonate - und für das zu nachtschlafender Zeit ratternde Faxgerät. (Das brauchen wir jetzt wohl nicht mehr ...)

 

Wir wollten uns doch noch - möglichst in diesem Jahr - sehen ...?

Umsomehr gilt der Satz: Solch einen Typen wie Dich, hätten wir doch noch so gut gebrauchen können. Wir vermissen Dich!

Antje N-W

Projekte

Harry Rowohlt liest aus "Der lustige Dampfer", Sommer 2009.
Wie aktuell Trier auf dem Buchmarkt anzusiedeln ist, zeigt eine Neuerscheinung im Hamburg Cecilie-Dressler-Verlag von 2009: Der lustige Dampfer. Nach gut 60 Jahren fand sich endlich ein Dichter im passenden Format, der Triers Bilder mit kongenialen Versen versah: Harry Rowohlt, "der berühmteste deutsche Übersetzer, Erfinder von 'Pooh's corner' und Vorlesekünstler" ("Die Zeit", 23.03.05). Angesichts von Triers graphischer Vorgabe haben sich Autor und Verlag die größte Mühe gegeben ... und das Resultat gibt ihnen absolut Recht: Das Buch ist (um beim Bilderbuchthema 'Meeresbewohner' zu bleiben) eine echte Perle!
Walter Trier, "Der lustige Dampfer" – Buchcover
Die Illustrationen zu "Der lustige Dampfer" entstanden in den 1940er Jahren, also während Triers Exil in England.
Ganz genau lassen sich die Bilder nicht mehr datieren. Sicher ist jedoch, dass Trier die Geschichten völlig selbständig entwickelt hatte – also ohne Zutun eines Autors oder fremden Auftraggebers. Ein ebenso unorthodoxes wie wagemutiges Vorgehen für einen Zeichner – und deshalb geradezu typisch für den selbstbewußten und eigensinnigen Künstler namens Trier, der sich nie als einem Autor nachgeordneter Illustrator empfand. Auch nicht während enorm schwieriger Zeiten als ein aus Deutschland vertriebener Emigrant.
Walter Trier, "Jolly Picnic" - Buchcover
Wie schon viele Jahre zuvor zeichnete Walter Trier in London die komplette Bebilderung für drei Kinderbücher - mit Vorsatzpapier, Vignetten und Titelei: "Jolly Picnic", "Jolly Families" und "The Jolly Steamer" (sic!). Diese "Jolly"-Bilderbuchreihe sollte den englischen Kindern die Tiere der Heimat, der Fremde und des Meeres anschaulich vor Augen führen.

Gemeinsam mit dem Verlegerfreund Kurt Maschler (erst "Williams Verlag", dann "Atrium Verlag" und "Atrium Press") fanden sich recht rasch zwei englische Autoren für die ersten beiden Bücher der "Jolly"-Reihe. Einzig für den letzten Band mühte man sich vergeblich. Am Ende des Zweiten Weltkrieges stand den Menschen nicht gerade der Sinn nach romantischen Bildern, die die Kinder in eine heil(sam)e und friedfertige Tierwelt – Triers Gegenentwurf zur kriegerischen Realität - entführen sollten.
Walter Trier, "Jolly Families" – Buchcover
Als Erich Kästner 1947 - nach fast zehn Jahren kriegsbedingter Zwangspause - wieder Kontakt zu "seinem" Zeichner aufgenommen hatte und die Zusammenarbeit mittels der "Konferenz der Tiere" und dem "doppelten Lottchen" wieder florierte, scheint der Buchkünstler Trier einen erneuten Versuch gewagt zu haben, seinen "ollen Steamer" doch noch zu veröffentlichen - vielleicht sogar mit Hilfe des Dichterfreundes.

Triers überraschender Tod im Sommer 1951 und Kästners anschließend verzweifelte Suche nach einem adäquaten Nachfolger scheinen diesem Projekt dann allerdings das (beinahe) endgültige Aus bereitet zu haben.
Die nach München geschickten Bilder wurden vergessen und gelangten schließlich nach dem Tode Kästners in den Nachlaß dessen langjähriger Lebensgefährtin Luiselotte Enderle. Wo sie für viele Jahre in einen Dornröschenschlaf fielen.
Buchbesprechung im Feuilleton der "FAZ".
Doch die seit 1998 betriebene Aufarbeitung des Gesamtwerks von Walter Trier führte zwangsläufig auch zu den Nachlässen von Erich Kästner und Luiselotte Enderle. Und so kam dieser hinreißende Bilderzyklus nach über einem halben Jahrhundert aber dann doch wieder ans Tageslicht.
Und eine bessere Wahl als Autor hätte auch Trier nicht finden können. So titelte die "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" am 29. August 2009 ganz zutreffend: „Glückliches Paar: Harry Rowohlt verdichtet Triers Bilder“.
Englische Übersetzung des "lustigen Dampfers" von 2013.
Wenn man dann noch bedenkt, dass dies alles unter dem Dach von Walter Triers 'Hausverlag' realisiert wurde, der einstmals von Kurt Maschler geleitet worden war und der noch viel früher für die Verbreitung von "Winnie-dem-Pu" im deutschsprachigen Raum von Edith Jacobsohn überhaupt gegründet worden war – für dessen Siegeszug in Deutschland wiederum die geniale Neuübersetzung von Harry, dem Rowohlt, verantwortlich zeichnet – dann beginnt man an glückliche Fügungen zu glauben oder freut sich einfach nur an der Vollendung eines vor über 50 Jahren begonnenen perfekten Projektes ... und wartet sehnsüchtig (wenn auch wohl leider vergeblich) auf die deutschen Erstausgaben der beiden ersten "Jolly"-Bücher.
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© Siegfried Eckert 2015